pressespiegel
Vielleicht suchst du fundierte Einblicke, vielleicht möchtest du aber auch einfach stöbern – hier findest du ausgewählte Artikel, Reportagen und Interviews rund um den Deutschen – vor allem aber über den Berliner Justizvollzug.
Ob es um Reformen, Herausforderungen, Perspektiven oder neue Entwicklungen geht: Dieser Pressespiegel sammelt Lesenswertes zu den Themen, die uns und viele andere bewegen. Dabei erhebt er keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber dennoch zeigt er: Es lohnt sich, hinzuschauen.
Justiz im Fokus

Abschiebeflug nach Afghanistan gestartet – Rückführung unter Kritik
Am 18. Juli 2025 hat Deutschland erneut afghanische Staatsangehörige abgeschoben – darunter 81 Männer, die als „schwere Straftäter“ gelten. Der Flug startete von Leipzig aus und markiert eine politische Zäsur im Umgang mit Rückführungen nach Afghanistan.
Die Maßnahme erfolgt unter der neuen Bundesregierung und wird als Teil eines härteren Kurses in der Migrationspolitik gewertet. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Pro Asyl kritisieren die Aktion scharf – angesichts der prekären Sicherheitslage in Afghanistan und fehlender diplomatischer Beziehungen zu den Taliban. Die Zeit berichtet über die politischen Hintergründe, die juristischen Fragen und die gesellschaftliche Debatte rund um den Abschiebeflug.
Die Zeit, veröffentlicht am 18. Juli 2025

Mindestlohn 2,38 Euro – Warum Gefangene trotz Lohnerhöhung unzufrieden sind
Der Artikel beleuchtet die Arbeitsrealität hinter Gittern: Schreinern, Sortieren, Schweißen – für viele Gefangene Alltag. Ab Juli soll es mehr Geld geben, doch die Reform stößt auf Kritik.
Gefangene haben vor Gericht höhere Löhne erstritten – ein Erfolg, der jedoch bitter schmeckt. Denn trotz Anhebung bleibt die Vergütung weit unter dem Mindestlohn, und Zulagen sinken. Der Artikel zeigt eindrücklich, wie das System der Gefangenenarbeit mit dem Anspruch auf Resozialisierung kollidiert – und warum viele Betroffene weiter kämpfen.
taz, erschienen am 4. Juli 2025

Kunst im Knast – Gefangenentheater in der JVA Tegel
Tamara Wendrich berichtet über das Theaterprojekt aufBruch, das mit Inhaftierten in der JVA Tegel Shakespeares „Titus Andronicus“ inszeniert – ein Stück über Gewalt, Rache und Menschlichkeit, gespielt von denen, die mit diesen Themen leben.
Theater mit Insassen – das freie Projekt aufBruch bringt Kunst hinter Mauern und eröffnet neue Perspektiven. Wendrich beschreibt eindrücklich, wie die Aufführung zwischen Haftraum und Bühne funktioniert: mit Casting, Proben, musikalischen Einlagen und einem Publikum, das durch die Anstalt geführt wird. Die Gefangenen zeigen sich als „Experten der Realität“ – und das Projekt als Brücke zwischen Strafvollzug und Gesellschaft. Doch die Finanzierung steht auf der Kippe: Der Berliner Senat kürzt die Mittel drastisch.
Legal Tribune Online (LTO), veröffentlicht am 25. Juni 2025

Immer noch ein Mickerlohn – Gefangenenarbeit in Berliner Haftanstalten
Trotz geplanter Lohnerhöhung bleibt die Vergütung für Arbeit hinter Gittern weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn. Der Artikel zeigt, wie Berliner Gefangene für ihre Arbeit kämpfen – und warum die Reform vielen nicht weit genug geht.
Schreinern, Sortieren, Schweißen – für viele Gefangene ist Arbeit Pflicht. Ab Juli soll der Stundenlohn von 2,50 € auf 4,25 € steigen. Doch bei einem Mindestlohn von 12,82 € bleibt die Entlohnung ein Bruchteil. Der Artikel beleuchtet die politischen Hintergründe, die Reaktionen der Gefangenen und die Frage, ob Arbeit im Vollzug wirklich zur Resozialisierung beiträgt.
taz, erschienen am 4. Juni 2025

Ein Lichtblick für Gefangene – Die Gefangenenzeitung „HaftLeben“ aus Chemnitz
Seit 1999 erscheint die „HaftLeben“ in der JVA Chemnitz – eine Zeitung von und für inhaftierte Frauen. Der Artikel von Johanna Treblin zeigt, wie wichtig dieses Medium für den Haftalltag ist und wie politische Entscheidungen seine Existenz bedrohen.
Ob Basteltipps, persönliche Geschichten oder kritische Beiträge zu Gesundheit und Haftbedingungen – die „HaftLeben“ ist mehr als nur Zeitvertreib. Sie schafft Raum für Ausdruck, Teilhabe und gegenseitiges Verständnis. Doch eine Haushaltssperre in Sachsen gefährdet ihre Zukunft. Der Artikel dokumentiert eindrücklich, wie fragil solche Lichtblicke im Strafvollzug sein können.
taz, erschienen am 2. Juni 2025
Tag der Offenen Tür in der JVA Tegel – Ein Blick hinter die Mauern
Am 24. Mai 2025 öffnete die JVA Tegel ihre Tore für Besucher*innen – und bot seltene Einblicke in den Alltag einer der bekanntesten Justizvollzugsanstalten Deutschlands.
Wo sonst nur Justizpersonal und Inhaftierte Zugang haben, konnten Interessierte nun ganz offiziell eintreten. Führungen über das Gelände, Präsentationen zur Arbeit im Vollzug und ein eigens gebauter mobiler Haftraum machten den Tag zu einem besonderen Erlebnis. Die Veranstaltung war Teil der Berufsmesse #KnastKarriere und richtete sich auch an Menschen, die sich für eine Tätigkeit im Justizvollzug interessieren. Ein ungewöhnlicher, aber aufschlussreicher Perspektivwechsel.
rbb, Beitrag vom 26. Mai 2025

So viele Beamte wurden beim Schmuggeln erwischt
Der Artikel von Dirk Krampitz beleuchtet die alarmierende Zahl von Justizvollzugsbeamten, die in der JVA Tegel beim Einschmuggeln verbotener Gegenstände erwischt wurden – und zeigt, wie tief das Problem reicht.
Ob Handys, Drogen oder andere Gegenstände – der Schmuggel in Berliner Gefängnissen ist längst kein Einzelfall mehr. Der Artikel dokumentiert aktuelle Ermittlungen, darunter Hausdurchsuchungen und Verdachtsmomente gegen mehrere Bedienstete. Besonders brisant: Die Vorwürfe reichen von Bestechlichkeit bis hin zu organisiertem Handel innerhalb der Haftanstalt. Ein Beitrag, der die Vertrauenskrise im Strafvollzug offenlegt und Fragen nach Kontrolle, Prävention und Verantwortung aufwirft.
Berliner Zeitung, veröffentlicht am 24. April 2025

Ein „Krankenhaus“, das noch kränker macht
Der Artikel von Johanna Treblin wirft einen erschütternden Blick auf die Realität im Krankenhaus des Maßregelvollzugs in Berlin-Reinickendorf – und zeigt, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen.
Überbelegung, Personalmangel, menschenunwürdige Unterbringung: Angehörige und Patient*innen berichten von Ohnmacht und Perspektivlosigkeit. Der Artikel dokumentiert eindrücklich, wie das System an seine Grenzen stößt und warum selbst neue Leitung und Reformpläne bislang wenig Hoffnung machen.
taz, erschienen am 1. April 2025

Gefängnisse voll auf Droge – Ria und Tara haben viel Arbeit
In Berliner Haftanstalten nimmt der Drogenfund deutlich zu. Der Artikel zeigt, wie die Justiz mit speziell ausgebildeten Spürhunden wie Ria und Tara gegen den Schmuggel vorgeht – und welche Maßnahmen künftig geplant sind.
Die Justizvollzugsanstalt Tegel setzt auf tierische Unterstützung: Drogenspürhunde sollen künftig systematisch zur Kontrolle von Hafträumen und Besuchsbereichen eingesetzt werden. Der Artikel beleuchtet die geplante Aus- und Fortbildung eigener Hundestaffeln und zeigt, wie sich die Berliner Justiz auf die steigende Zahl von Drogenfunden vorbereitet. Ein Beitrag, der Sicherheitspolitik und Haftalltag miteinander verknüpft.
Berliner Morgenpost, veröffentlicht am 11. Dezember 2024

„Es gibt viele Ratten hier“ – Leben unter Lebenslänglichen in der JVA Tegel
Der Artikel begleitet vier Männer, die im Hochsicherheitstrakt der JVA Tegel einsitzen – darunter verurteilte Mörder. Mit viel Zeit, eigenen Regeln und der Frage: Kann man im Gefängnis ein besserer Mensch werden?
Katja Füchsel und Teresa Sickert haben die Insassen über anderthalb Jahre hinweg begleitet – und geben Einblick in Routinen, Reue, Hoffnung und die Härte des Haftalltags. Der Text ist Teil des multimedialen Projekts „Unter Mördern“, das auch als Podcast erschienen ist. Zwischen Zellenleben, Tischlerei-Ausbildung und Sommerfesten entsteht ein vielschichtiges Bild vom Leben hinter Gittern – fernab von Klischees.
Tagesspiegel, veröffentlicht am 22. Oktober 2024

Digitalisierung im Berliner Justizvollzug
Berlin als digitaler Vorreiter im Strafvollzug? Das ist bestenfalls eine optimistische Fehleinschätzung – schlimmstenfalls ein Fall von politisch gefärbter PR.
Der Artikel im Tagesspiegel vom 7. Oktober 2024 lässt sich offenbar stark von Aussagen der Senatsverwaltung für Justiz leiten, ohne sie kritisch genug zu hinterfragen. Zwar ist der Probebetrieb eines digitalen Haftraummediensystems ein Schritt in die moderne Kommunikation – doch von einem deutschlandweiten Vorreiter zu sprechen, ignoriert die deutlich weiter entwickelten Systeme in anderen Bundesländern wie Hessen oder Baden-Württemberg.
Die Implementierung von Telio-Technik, der Zwang zum Geräteaustausch und die kostenpflichtige Nutzung durch Häftlinge zeigen, dass es sich eher um ein Infrastruktur-Upgrade handelt als um ein innovatives Leuchtturmprojekt. Auch die elektronische Aktenführung steckt in Berlin noch in der Einführungsphase, während anderswo längst papierlos gearbeitet wird.
Kurz gesagt: Der Beitrag erweckt ein Bild, das bei genauerer Betrachtung bröckelt. Vielleicht sollte man weniger auf Hochglanzberichte vertrauen – und mehr auf objektive Vergleiche.
Tagesspiegel, veröffentlicht am 7. Oktober 2024

Monatelang isoliert – Einzelhaft in der JVA Tegel unter der Lupe
Der Artikel von Roberto Jurkschat beleuchtet die teils monatelange Unterbringung von Gefangenen in Isolationszellen der JVA Tegel – und wirft Fragen nach Rechtsstaatlichkeit, Menschenwürde und Haftbedingungen auf.
Isolation über Wochen oder gar Monate – ohne Kontakt zu Mitgefangenen, mit eingeschränktem Zugang zu Beschäftigung und sozialen Angeboten. Der Beitrag zeigt, wie diese Praxis nicht nur psychisch belastend ist, sondern auch juristisch umstritten. Expert*innen und Menschenrechtsorganisationen äußern Kritik, während die Justizverwaltung auf Sicherheitsgründe verweist. Ein Artikel, der die Grauzonen zwischen Strafvollzug und Freiheitsentzug sichtbar macht.
rbb24, veröffentlicht am 14. August 2024

Doppelmörder flüchtet bei erstem unbegleiteten Ausgang
Nach 27 Jahren Haft nutzte ein verurteilter Mörder seinen ersten Ausgang ohne Begleitung zur Flucht. Der Fall wirft Fragen zur Praxis von Lockerungen im Strafvollzug auf – und sorgt für bundesweite Aufmerksamkeit.
Der 50-jährige Kai B. war wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt und saß in der JVA Tegel. Am 21. Juni 2024 kehrte er nicht von einem genehmigten Ausgang zurück. Die Flucht erfolgte trotz eines umfassenden Prüfverfahrens und eines forensisch-psychiatrischen Gutachtens, das die Lockerung als vertretbar einstufte. Der Fall zeigt die Gratwanderung zwischen Resozialisierung und Sicherheitsinteresse – und entfacht eine Debatte über die Verantwortung der Justizverwaltung.
ZDFheute, veröffentlicht am 21. Juni 2024

Alltag im Berliner Knast – Malte und Gundula zu Besuch in der JVA Tegel
In Folge #9 des Podcasts „Malte und die Alte“ treffen die Hosts zwei Gefangene in der JVA Tegel und sprechen über Haftalltag, Zellenleben und Zwischenmenschliches hinter Gittern.
Wie sieht eine Zelle aus? Was machen die Insassen den ganzen Tag? Und wie viel Nähe ist beim Besuch erlaubt? Malte Völz (U30) und Gundula (Ü70) gehen diesen Fragen mit Neugier und Humor nach – zwischen Schwarzmarkt, Hähnchenschenkeln und echten Lebensgeschichten. Eine ungewöhnliche Perspektive auf den Berliner Strafvollzug, die zum Nachdenken und Schmunzeln einlädt.
Fritz, veröffentlicht am 13. Mai 2024

Resozialisierung möglich, aber unwahrscheinlich – Der Podcast „Unter Mördern“ im Fokus
Ein intensiver Blick auf den Strafvollzug in der JVA Tegel: Der Artikel greift die zentralen Fragen des gleichnamigen Podcasts auf und zeigt die Spannungen zwischen Resozialisierungsideal und Realität.
„Kann ein siebenfacher Mörder wieder Teil der Gesellschaft werden?“ – Der Artikel beleuchtet, wie der Podcast von rbb und Tagesspiegel diesen Fragen nachgeht und welche Stimmen aus dem Vollzug zu Wort kommen. Eine eindrucksvolle, nachdenklich stimmende Medienproduktion – und ein lesenswerter Beitrag zur Strafvollzugsdebatte.
taz, erschienen am 5. März 2024

Arbeit statt Strafe – Rückschritte im Berliner Senat
Der Kommentar kritisiert die geplante Verschärfung der Tilgungsverordnung durch Justizsenatorin Felor Badenberg. Statt sozialer Hilfe droht nun mehr Druck auf Menschen, die ihre Geldstrafe nicht zahlen können.
Wer wegen Schwarzfahrens oder ähnlicher Delikte eine Geldstrafe nicht zahlen kann, landet oft in Ersatzhaft. Das Programm „Arbeit statt Strafe“ sollte dem entgegenwirken – mit vier Stunden gemeinnütziger Arbeit pro Tag. Nun will der Senat diese auf sechs Stunden erhöhen. Kuhlmann nennt das eine „Rolle rückwärts“ und warnt: Die Verschärfung trifft besonders vulnerable Gruppen und gefährdet die Resozialisierung. Ihr Kommentar ist ein Plädoyer für mehr soziale Unterstützung statt härtere Sanktionen.
taz, veröffentlicht am 2. März 2024
